Fairdienst

Am 21. März ist 2013 „Equal Pay Day“ in Deutschland.

Bundesweit machen an diesem Tag Aktivisten auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Anders als andere Gedenktage wird der Equal Pay Day nicht
in jedem Land am gleichen Datum begangen. Vielmehr drückt das Datum den jeweils aktuellen Entgeltunterschied zwischen den Geschlechtern aus.

Der „Gleichbezahlungstag“ markiert symbolisch oder rechnerisch also jenen Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu kommen. Erst seit 2008 wird der Tag auch in Deutschland begangen. Das Ergebnis ist seitdem das gleiche: Frauen müssen sich auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Job mit weniger zufrieden geben.

Chancengerechtigkeit darf für Frauen und Männer nicht beim Geld aufhören. Vor allem aber darf das Geschlecht im Arbeitsleben keine Rolle spielen. Aber ist es wirklich so einfach, den Lohnunterschied nur am Geschlecht festzumachen? Alle Ursachen der Entgeltdifferenz werden an diesem Tag zu einer einzigen Zahl verdichtet: ein Fünftel!

In etwa so viel verdienen Frauen nämlich weniger als Männer! Doch diese Zahl allein hilft nicht weiter. Wie so oft entsteht durch die Statistik allein ein unvollständiges Bild. Riskieren wir deshalb doch mal gemeinsam einen Blick in die Details, um die Ursachen für die Entgeltlücke zu erkennen.

Wie kann es eigentlich zu so einem gravierenden Unterschied kommen, wo doch gerade jüngere Frauen die Schulen und Hochschulen meist besser ausgebildet verlassen als Männer? Zu Beginn der Erwerbstätigkeit bestehen genau deshalb kaum prägnante Unterschiede.

Es liegt also nicht nur daran, dass Frauen und Männer bei der Berufswahl unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Frauen sind ihrer persönlichen Wahl nach beispielsweise seltener in technischen Berufen vertreten, dafür aber häufiger im Dienstleistungssektor zu finden. Allein in der Gesundheitsbranche sind 80 Prozent der Beschäftigten Frauen. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten besonders schlecht.

Es liegt vor allem auch daran, dass Frauen immer noch wesentlich häufiger und länger als Männer aus familiären Gründen ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Und dies geschieht meist in einem Alter, in dem die Weichen für eine spätere Karriere gestellt werden. Daher wird die Entgeltlücke gerade im Altersbereich zwischen etwa 25 und 40 Jahren immer größer.

Die Rückkehr in den Beruf findet dann oft in Teilzeit statt – wenn überhaupt. Ob ein Wiedereinstieg überhaupt möglich ist, hängt beispielsweise maßgeblich von den Betreuungsmöglichkeiten ab. Durch die noch immer fehlenden Betreuungsplätze für Kleinkinder wird dieser Schritt auch heute noch vielen Frauen unnötig stark erschwert und schränkt sie in der Freiheit, ihren Lebensentwurf selbst zu bestimmen, stark ein.

Bei dem Versuch, an dieser Stelle eine Bilanz zu ziehen, kann ich nur feststellen: Die Gleichstellungspolitik in Deutschland ist noch immer im höchsten Maße unbefriedigend. Noch immer mangelt es an durchgehend gleicher Vergütung für gleiche Arbeit von Männern und Frauen! Noch immer mangelt es an guten Betreuungsmöglichkeiten. Ganz besonders eklatant fällt der Mangel an Frauen vor allem übrigens in Vorständen und Aufsichtsräten ins Auge.

Was können wir also dagegen tun? Wir brauchen endlich neben weiteren erforderlichen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch mehr Sensibilität für das Thema Entgeltgleichheit. Auch Arbeitgebern kann dies nicht gleichgültig sein. Mit Blick auf die demografische Entwicklung können sie es sich heutzutage eigentlich gar nicht mehr leisten, die Ressource und das Potenzial der hoch qualifizierten Frauen zu Hause zu lassen und damit zu ignorieren und zu vergeuden.

Je länger Frauen also vom Job pausieren oder in Teilzeit arbeiten, umso größer werden die Lohnunterschiede zu Männern. Tarifverträge sehen grundsätzlich gleichen Lohn für alle vor. Um endlich auch gleiche Bezahlung zu erreichen, unterstütze ich grundsätzlich die Idee eines Entgeltgleichheitsgesetzes. Denn es sind nicht nur die unterschiedlichen Berufe oder unterschiedliche  Berufserfahrung, die Gehaltsunterschiede erklären. Da machen es sich manche Politiker zu einfach. Ein regelmäßiger Lohnspiegel, aus dem die Bezahlung von Frauen und Männer im Betrieb ersichtlich sind, wäre da ein guter erster Schritt.

Und vor allem brauchen wir einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, damit Menschen, die Vollzeit arbeiten, von ihrer Arbeit auch leben können. Was bei dem Equal Pay Day nämlich auch gerne unter den Tisch fällt, ist die skandalöse Tatsache, dass insbesondere Frauen im Niedriglohnsektor und in der Leiharbeit tätig sind. Das wirkt sich nicht nur jetzt durch geringe Entlohnung aus, sondern auch später durch extrem geringe Renten. Und diese späteren Konsequenzen werden zu einer weit verbreiteten Altersarmut führen. Einer überwiegenden weiblichen Altersarmut!

Neben den bereits formulierten Forderungen müssen wir daher

  •  den Ausbau einer qualitativ hochwertigen und bedarfsdeckenden Kinderbetreuung und den Ausbau von Ganztagsschulangeboten zügig voran bringen, um lange Auszeiten von Frauen mit Familienpflichten zu verringern und ihnen eine möglichst vollzeitnahe Beschäftigung zu ermöglichen, wenn sie dies wünschen,
  •  mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und einer familienbewussten Unternehmenskultur die Karrierechancen von berufstätigen Eltern fördern,
  •  Fehlanreize in der Familienpolitik zur Förderung der Alleinverdiener-Ehe abschaffen, die zum Rückzug aus der Erwerbstätigkeit führen – insbesondere das Ehegattensplitting
  •  und nicht zuletzt ist auch jeder einzelne gefragt, gesamtgesellschaftlich auf eine partnerschaftliche Aufgabenverteilung bei den erziehenden Eltern hinzuwirken.

Was wir auf keinen Fall brauchen, sind weitere Schnapsideen von lebensfernen Politikern wie eine Herdprämie, offiziell auch Betreuungsgeld genannt, damit Eltern ihre Kinder nicht in eine Kita schicken. Wir brauchen auch keine weiteren geschönten Berichte über eine Lebenswirklichkeit, wie sie in Deutschland tatsächlich nirgends anzutreffen ist.

Die Belohnung für die wenig honorierte, aber umso wertvollere Erziehungsarbeit von Elternteilen darf kein um ein Fünftel niedrigeres Gehalt und die Aussicht auf Altersarmut sein!

Wen darf ich auf meine Gästeliste setzen?

„Money, money, money must be funny in the rich man’s world…“Ob sie wohl auch zu dem guten alten Hit von ABBA tanzten? Spendengelder, Parteienfinanzierung und Co …

Laut der Rheinischen Post vom 01.03.13 kostete die Geburtstagsparty von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) 100.000 Euro und wurde durch Spenden finanziert. Wer kennt das nicht? Irgendwann hört das mit dem Wunschzettel auf , stattdessen stellt man auf der Party für die Gäste ein Sparschwein auf. Oft eine Erleichterung, da brauchen die Gäste nicht groß grübeln, was sie schenken sollen, und der Gastgeber hat einen Zuschuss zu den Party-Kosten statt Bergen von nutzlosem Nippes in der Wohnung. Rösler war konsequent einen Schritt weiter gegangen: Er hatte bereits in der Einladung darum gebeten, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen der Partei Geld zu spenden. Soweit so gut.

Doch lieber Leser, kennst Du auch solche noblen Geburtstagspartys in einer luxuriösen Oldtimer-Ausstellungshalle im Berliner Westen? Nein, oder darf es lieber gleich die Oper von Sydney sein? Und lädst Du auch gleich einen Großteil des Bundeskabinetts und andere hochrangige Politiker ein? Was hat es denn nun eigentlich gebracht – das kleine Sparschweinchen vom Philipp Rösler zum Vierzigsten? Nach Angaben aus Parteikreisen werden alle Kosten der Party von knapp 100.000 Euro komplett durch private Spenden finanziert. Aha. Und sonst so?

„Die FDP hatte Rösler zu seinem 40. Geburtstag eine Feier organisiert, zu der rund 1.100 Gäste kamen, darunter Kanzlerin Merkel, nahezu das gesamte Bundeskabinett, Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Auch für Röslers Vorgänger Guido Westerwelle hatte die Partei zu dessen 50. Geburtstag vor einem Jahr eine Party in Berlin organisiert.“ so schreibt es die Rheinische Post. Ja, wir erinnern uns: Die FDP oder in manchen Kreisen auch Fundraising-Dinner-Partei genannt kennt sich aus mit der Organisation von Feiern.

Einen aufschlussreichen Artikel dazu hat seinerzeit die SZ veröffentlicht: Darin stellt Autor Thorsten Denkler dar, wie eng beispielsweise FDP-Außenminister Guido Westerwelle mit einem Unternehmen namens „TellSell Consulting GmbH“ verbunden ist.

Und warum schreibe ich das lieber Leser? Ich möchte, dass Du daran denkst im Jahr der Bundestagswahl. Denn auch die Größe der Feier für Rösler, 1100 Gäste, ein gemütlicher Rahmen unter Freunden sieht wohl anders aus? Der zeitliche Zusammenhang mit der Wahl ist kein Zufall. Und zwischen Maseratis und Oldtimer wird auch die Haute Couture der Verlagshäuser begrüßt, allen voran Friede Springer. Und ich möchte doch so gerne, dass Du weißt, wen Du da alles mitwählst im September, lieber Leser.

Einmal über den großen Teich  nach Amerika geschaut, sind solche Fundraising Dinners dort seit Generationen an der Tagesordnung.

Vielleicht sollte ich mir das zu eigen machen und im Jahr der Bundestagswahl auch ein Dinner organisieren? Als Debütantin auf dem glatten Parkett der Lobbyisten, äh Politik natürlich – dort ist es bisweilen ziemlich rutschig, habe ich mir sagen lassen. Vielleicht lade ich ein zum ersten deutschlandweiten Tag der Unbestechlichkeit. Wen darf ich auf meine Gästeliste setzen?